Nr. 04/2014

Periodischer Beitrag

Selbständige Sektion Bonn

„Bericht aus Bonn“

„In einer erst kürzlich vom Allensbach Institut für Demoskopie durchgeführten repräsentativen Bevölkerungsbefragung zur persönlichen Wahrnehmung von Sicherheitsrisiken gaben lediglich 16 Prozent der Bundesbürger an, sich große Sorgen um Krieg bzw. eine Verwicklung Deutschlands in eine militärische Auseinandersetzung zu machen. Die überwältigende Mehrheit von 84 Prozent macht sich darüber nur etwas bzw. gar keine Sorgen.“ Diesen Sachverhalt stellte zum Jahresbeginn die Präsidentin der GfW, Ulrike Merten, an den Beginn ihrer Analyse zur Lage der GfW.

„Wie schön“, könnte man sagen, wenn nicht Volksmeinung einerseits und die sicherheitspolitische Realität sowie Deutschlands auch im Koalitionsvertrag fest gestellte größere Verantwortung für Menschenrechte, Frieden und Freiheit in der Welt andererseits im Widerspruch ständen. Die Allensbach-Umfrage ist ein Indiz für wenig ausgeprägtes Interesse und unzureichende Information und Aufklärung über sicherheitspolitische Zusammenhänge und Abhängigkeiten. Der gefühlte „ewige Frieden“ in Deutschland wird als selbstverständliche, auf Dauer angelegte Realität empfunden und leistet einem schleichenden Pazifismus Vorschub, der nicht ideologisch begründet, sondern sich aus Gewohnheit und dem aktuellen Wohlfühlfaktor entwickelt. Eine Demokratie, die den sozialen Frieden garantiert, den Wohlstand bis ins hohe Alter sichert und für Arbeitsplätze sorgt, gilt als hinreichen wehrhaft, so das „gesunde“, aber zugleich leichtfertige Volksempfinden.

Grundsätzlich wurde diese Thematik von Rolf Clement, dem allgemein bekannten Sicherheitsexperten vom Deutschlandfunk, aufgegriffen in seinem Vortrag  „Das ‚freundliche Desinteresse‘ an Sicherheitspolitik – Analyse, Folgerungen, Lösungen“.  Er machte neben vielen anderen Faktoren für das Dilemma die Quotenorientierung der Medienanstalten, die Maxime „Breite vor Tiefe“ in der journalistischen Qualifikation und Berichterstattung, aber auch das Verhalten der „Konsumenten“  verantwortlich. In der schnelllebigen Zeit sind Kurzbeiträge vorrangig über Krisen und Skandale auf der Tagesordnung, und diese „bad news“ goutiert der Zuhörer/Zuschauer nicht. Aber auch die mit Sicherheitsvorsorge befassten Ressorts der Bundesregierung zeigten zu viel Defensive und zu wenig Transparenz. Mut, Kreativität und Geduld seien gefragt, und Informationsinhalte und -methoden sind unterschiedlichen Zielgruppen flexibel anzupassen. 

Generalleutnant Erich Pfeffer informierte über die Neuausrichtung der Bundeswehr

 Zum Themenkreis „Neuausrichtung der Bundeswehr“  hat der Stellvertreter des Inspekteurs Streitkräftebasis (SKB), Generalleutnant Erich Pfeffer, die konzeptionellen und strukturellen Auswirkungen dieses Prozesses anschaulich dargestellt. Die SKB ist künftig der zweitgrößte Organisationsbereich der Bundeswehr nach dem Heer und hat den höchsten Frauenanteil aller Organisationsbereiche. Bei den Auslandseinsätzen stellt die SKB ca. 25 Prozent der Kontingente. „Als Erste im Einsatz, bei jedem Einsatz dabei, als Letzte heraus“, so die prägnante Beschreibung des Selbstverständnisses. Praktisch ergänzt wurden diese Ausführungen durch einen Informationsbesuch beim Kommando Strategische Aufklärung (KSA). Die erfreulich große Besucherschar erhielt einen detaillierten und einprägsamen Überblick über Aufgabenvielfalt, Einsatzgrundsätze, technische Mittel sowie Herausforderungen und Perspektiven dieses Fähigkeitskommandos. Vom Einsatz her denken - und das 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche -  ist Motto und Maxime.

Generalleutnant a.D. Kersten Lahl, ehemaliger Präsident der Bundessicherheitsakademie und Vizepräsident der GfW, stand Rede und Antwort zu dem provokativen Thema „Zu den großen Mythen deutscher Sicherheitspolitik“. Der Referent erläuterte, dass folgende Thesen Realität werden müssten, wollten sie nicht als Mythen in die Geschichte eingehen: 

- „Gestaltungswille und Gestaltungskraft kennzeichnen die deutsche Sicherheitspolitik.“

- „Werte und Interessen bestimmen die deutsche Sicherheitspolitik“

- „Deutsche Sicherheitspolitik folgt einem ganzheitlichen Denken.“

- „Deutsche Sicherheitspolitik hat eine Strategie.“

 

Generalleutnant a.D. Kersten Lahl referierte über die „großen Mythen deutscher Sicherheitspolitik“

Eine Bilanz: Die Sektion Bonn sieht sich auf einem guten Weg. Ein Mitgliederzuwachs von mehr als 30 Prozent  in fünf Jahren, steigende Zuhörerzahlen  und ein erfreuliches Spendenaufkommen sind messbare Indikatoren dafür, dass unser Informationsangebot ankommt und angenommen wird. Danke, Mitglieder, Freundinnen und Freunde und Sympathisanten der Sektion Bonn in der GfW! Und, diese Bestätigung ist Ansporn, trotz spürbarem Gegenwind, ausgeprägtem Desinteresse und schleichendem Pazifismus engagiert der Sache zu dienen und mehr noch als bisher jüngere und uninformierte und ablehnend eingestellte Zielgruppen zu erreichen und die Medienpräsenz zu verstärken.

Servatius Maeßen

Sektionsleiter Bonn


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