Vortragsabend

zum Thema

Afghanistan

- aktuelle Lage und Perspektiven

Referent: 

Marco Seliger
Chefredakteur des sicherheitspolitischen

Magazins "loyal", Frankfurt

am Montag, 30. Mai 2011

*****

Sektionseigener Bericht

Dauerbrenner Afghanistan

Viele waren gekommen, weil dem Referenten ein guter Ruf als Journalist voraus eilte. Andere wollten wissen, ob es zum „Dauerbrenner“ Afghanistan Neues zu berichten gab. Und schließlich verliehen die Terroranschläge in Nordafghanistan Ende Mai, bei denen auch drei deutsche Soldaten fielen, dem Thema traurige Aktualität.

„Afghanistan -  aktuelle Lage und Perspektiven“ lautete das Thema, zu dem der Chefredakteur loyal, Marco Seliger, vortrug.

Marco Seliger, Chefredakteur loyal

(Zum Vergrößern: Bild anklicken)

Sein spannender Vortrag basierte auf einer Fülle persönlicher Erfahrungen und Erlebnisse vor Ort, die er auf zahlreichen Reisen bis an die vorderste Front gesammelt hat, aber auch auf Gesprächen und Interviews, die er als Chefredakteur mit militärischen Führern und politischen Größen geführt hat.

Sein Bericht war unterlegt mit vielen Bildern von nachdenkenswerter Aussagekraft und hohem Symbolgehalt.

„In den mehr als zehn Jahren Afghanistan-Einsatz hat ein drastischer Wandel stattgefunden, der sich nicht nur auf die Ausrüstung bezieht, sondern vor allem an den Einsatzformen, den Risiken und Erfolgsperspektiven fest zu machen ist. Es herrscht Krieg mit ungewissem Ausgang!“ so der Referent.

Asymmetrische Bedrohung, Partisanenkrieg, häufig wechselnde Freund/Feind-Lagen, Korruption und Käuflichkeit machen die Herstellung einer auf Dauer stabilen und übersichtlichen Lage nahezu unmöglich.

Das Prinzip des „Partnering“, des Zusammenwirkens afghanischer und alliierter Sicherheitskräfte, als Weg in die Eigenständigkeit und Eigenverantwortung funktioniere zufrieden stellend, solange die ISAF-Truppen mit im Boot säßen, danach sei das Risiko offensichtlich, dass gut gemeinte Ansätze, funktionierende Strukturen und regionale Erfolge in den sozialen Strukturen von Stämmen, Clans, Warlords und Terroristenführern zerrieben würden.

Zudem wird das gegenseitige Vertrauen , ohne das „Partnering“ nicht funktionieren kann, durch die Einschleusung von Terroristen, die mit Anschlägen und Selbstmordattentaten Tod und Schrecken verbreiten, auf eine harte Probe gestellt..

Ein Grund für bisher fehlende, nachhaltige Erfolge sei die Asymmetrie der Kriegführung, bei der Aktion und Reaktion weitgehend von einem gerissen und mit äußerster Brutalität handelnden Gegner bestimmt würden, ein weiterer wichtiger aber die Machtstrukturen in Afghanistan. Eine Zentralregierung westlichen Musters hat in einem von dezentralen Strukturen dominierten Land kaum eine Chance, maßgeblich und nachhaltig Zeichen zu setzen und Wirkung zu zeigen.

Mit militärischen Mitteln allein kann in Afghanistan keine bessere Zukunft erreicht werden. „Wo bleibt die zivile Unterstützung vor Ort durch Außen-, Innen-, Wirtschaft- und Justizministerium zum Aufbau zukunftsfähiger Wirtschafts-, Verwaltungs- und Rechtsstrukturen? Darin läge der Schlüssel zum Erfolg“, so Marco Seliger.

Und weiter: „Es muss gelingen, die Jugend zu gewinnen, zu bilden und auszubilden. Nur die nächste Generation wird in der Lage sein, altes Denken, Rechnungen von gestern und archaische Sozialformen zu überkommen.“

Daraus folge aber, dass ein absehbarer Truppenabzug in naher Zukunft den Erfolg der ISAF-Mission in Frage stellt mit Konsequenzen nicht nur für das Ansehen und die Glaubwürdigkeit des Bündnisses, sondern vor allem für die afghanische Bevölkerung.

Eine anregende Diskussion, in der viele Fragen beantwortet, aber auch die kritischen Positionen des Referenten hinterfragt wurden, beendete einen spannenden, zum Nachdenken anregenden Vortragsabend mit neuen Einblicken aus  ungewöhnlichen Perspektiven.

 

 

Weitere Veranstaltungsinformationen erhalten Sie unter:

sbmae@t-online.de bzw. Tel: 02645-3665


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