Vortragsabend

zum Thema

NATO Missile Defence -

eine politische, strategische, operative

und technische Herausforderung

Referent: 

Generalmajor Michael Bille

NATO HQ

 

am Donnerstag, 25. Oktober 2012, 19.00 Uhr

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Sektionseigener Bericht

Raketenabwehr – eine mehrfache Herausforderung

Im strategischen Konzept der NATO werden als Kernfähigkeiten die nukleare Abschreckung, die Cyber-Sicherheit und die Raketenabwehr aufgelistet.

Die letztere Fähigkeit ist besonders Gegenstand der Diskussion, auch weil hier Konfliktstoff zwischen der NATO und Russland liegt.

Die Dimension der NATO-Raketenabwehr und ihre vielfältigen Facetten machte in kompetenter Weise der Vice Chairman des Air and Missile Defence Committee im NATO-HQ, Generalmajor Michael Bille, deutlich: NATO Missile Defence - eine politische, strategische, operative und technische Herausforderung lautete sein Thema vor Mitgliedern und Gästen der Sektion Bonn in der GfW.

Das Thema

Zu Beginn brachte der Referent Klarheit in die Begriffs- und Bedeutungsvielfalt von Missile Defence – Reichweiten, Flughöhen und Flugbahnen, Einsatzspektrum, das sind einige der Parameter zur Definition und Unterscheidung. Sein Vortragsschwerpunkt: Ballistic Missile Defence.

Die konkreten Anstrengungen der NATO zur Abwehr ballistischer Raketen gehen zurück auf einen Beschluss der Bündnispartner beim NATO-Gipfel in Lissabon im November 2010.

Ohne Frage seien die USA die treibende Kraft bei der Umsetzung des Beschlusses. Sie seien es auch, die einen Großteil des Know How und der Hardware in das System einbringen, so General Bille.

Der Referent

Bei der Umsetzung des Plan of Action, der im Juni 2011 von den NATO-Verteidigungsministern gebilligt wurde, sind nicht nur die Bedenken Russlands eine harte politische Nuss, sondern auch die mögliche Betroffenheit von Drittstaaten während des Abwehrvorgangs beinhaltet politischen Zündstoff. Kooperation und Vertrauensbildung seien hier der Schlüssel zum Erfolg.

Die militärischen Herausforderungen, die auch immer politische Implikationen haben, liegen in der kurzen Vorwarn- und Bekämpfungszeit, die in Minuten zu rechnen ist, in der angesichts der politischen Bedeutung einer Abwehr komplexen Befehlskette unter Zeitdruck, in der exakten Definition von Rules of Engagement, in der Erstellung eines politisch wie operativ nutzbaren Lagebildes und nicht zuletzt auch bei in Echtzeit funktionierenden Führungsmitteln.

Die Diskussion

Nach dem Prinzip „Befehls- und Kommandostruktur stellt die NATO, Sensoren und Waffensysteme stellen die Nationen“ sind Kompatibilität und Standardisierung und die Schnittstelen zwischen NATO und nationalen Elementen die maßgebliche technische Herausforderung.

„Ob und in welchem Umfang die NATO-Partner angesichts der Kassenlage bei allem guten Willen einen wirksamen Beitrag zu leisten imstande sind, muss die Zukunft zeigen,“ so der Vortragende. Einiges an Systemen sei bereits verfügbar, und deshalb habe die NATO bei ihrem diesjährigen Gipfel in Chicago die Initial NATO Ballistic Missile Defence Capability erklärt.

Das ehrgeizige Ziel sei, bis 2020 die volle Einsatzbereitschaft zu erreichen. Generalmajor Bille zeigte sich zuversichtlich, dass diese Marke erreichbar sei, weil „alle es wollen, die Stationierung und Verbreitung  ballistischer Angriffsraketen als Bedrohung konkret ist und die NATO auf diesem Gebiet handlungswillig und handlungsfähig ist.“

Der Dank

Fazit: Ein komplexes Thema nachvollziehbar und lebendig dargestellt, in der Aussprache freimütig und kompetent diskutiert, ein optimistischer Ausblick, ein gelungener Abend.

Text:   Servatius Maeßen

Fotos: Maeßen/Spech


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