Vortragsabend

zum Thema

Referent:

Foto: Luftwaffe

Generalleutnant Martin Schelleis

Kommandeur Einsatzverbände Luftwaffe

am Dienstag, 24. Juni 2014, 19.00

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Sektionseigener Bericht

Eine eindringliche Ansprache    Foto: Kalle Berg

Neuausrichtung der Bundeswehr, zahlreiche Initiativen der Verteidigungsministerin bis auf Rüstung und Ausrüstung, Diskussion um bewaffnete „Drohnen“, Auslandseinsätze: Das sind interessante Themen zur Sicherheitsvorsorge. Wie sich die Luftwaffe auf diesen Feldern darstellt, dazu trug der Kommandeur Kommando Einsatzverbände Luftwaffe, Generalleutnant Martin Schelleis, unter der Überschrift Die Luftwaffe bis 2030 bei der Sektion Bonn vor.

Seine Ausführungen folgten vier Fragestellungen:

-       Wozu Luftstreitkräfte?

-       Was kann die Luftwaffe?

-       Wo steht die Luftwaffe?

-       Wohin will die Luftwaffe?

Aufbauend ihren Eigenschaften wie Reichweite, Geschwindigkeit, Flexibilität, Permanenz und dosierbare Präzision eignen sich Luftstreitkräfte als Instrument von Sicherheitspolitik in besonderer Weise für den sofortigen weltweiten Einsatz mit strategisch kalkulierter Wirkung für schnelle Eskalation und De-Eskalation. Das Operationsspektrum reicht von humanitärer Hilfe und Evakuierung über Eingreifoperationen bis zu Stabilisierungsoperationen. Je nach Lage in unterschiedlicher Konstellation und Intensität kommen dabei Mittel der taktisch/operativen Führung, der Aufklärung und Überwachung, des Lufttransports sowie für Luftangriff und Luftverteidigung zu Einsatz. „Keine militärische Operation ohne Kontrolle des Luftraums!“ so das Fazit des Referenten.

Das Fähigkeitsspektrum der Luftwaffe folgt dem Grundsatz „Breite vor Tiefe“. Dabei wird schnelle Reaktionsfähigkeit und differenziertes Durchhaltevermögen sichergestellt. Die bi- oder multinationale Einbindung ist für die Luftwaffe geübte und bewährte Praxis. Heimatschutz und Dauereinsatzaufgaben bereits im Frieden gehören ebenso zum Aufgabenspektrum wie Rettung, Evakuierung und Geiselbefreiung, wie Konfliktverhütung und Krisenbewältigung und die Bündnisverteidigung. Die Ausstattung der Luftwaffe beläuft sich im Jahr 2020 (in Klammern vgl. 2010) auf 22.500 (34.300) Soldatinnen und Soldaten, 3 (9) Stäbe (Höhere Kdo/Kdo-Behörden), 12 (24) FlaRak-Staffeln, 40 (77) Luftfahrzeuge Lufttransport, 225 (288) Kampfflugzeuge und 10 (18) Militärflugplätze in Deutschland. Derzeit stehen ca. 4.500 Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr im Auslandseinsatz, ca. 900 davon sind Angehörige der Luftwaffe. Ca. 1.000 Luftwaffensoldaten stehen 2014/15 für die NATO RESPONSE FORCE bereit. Zudem trägt die Luftwaffe schon im Frieden zur nuklearen Teilhabe, zur Luftraumsicherung in Deutschland und im Baltikum und zur Weltraumlage bei.

Diskussion - generationsübergreifend    Foto: Kalle Berg

Ausführlich und anschaulich erläutere General Schelleis die Führungs- und Truppengliederung der Luftwaffe, ihre Einsatzmittel und die Dislozierung der Stäbe und Verbände. Er stellte die Waffensysteme, ihre Aufgaben und deren Herausforderungen beim Betrieb heraus und vermittelte den Zuhörern ein eindrucksvolles Bild von der Komplexität und der Effizienz der Luftwaffe. In großer Offenheit verwies er auf Fähigkeitslücken, z.B. bei der signalerfassenden Aufklärung. Der Abbruch der Serienbeschaffung EUROHAWK im letzten Jahr und fehlende Entscheidungen über Alternativen sind Grund zur Sorge.

„Während sich die Luftwaffe in vergangenen Jahrzehnten am gegnerischen Luftkriegspotenzial ausrichtete, wird die Zukunft bestimmt von  Kriterien wie „effektorientiert“, „vernetzt“ und „ressortgemeinsam““, so der Kommandeur, „und das teilstreitkraftübergreifende Denken und Handeln, also JOINTNESS, ist heute bereits selbstverständlich!“  Unterstützende Luftoperationen und Überwachung und Aufklärung werden zunehmen, der große Luftkrieg wird abgelöst von hochintensiven Luftkriegsoperationen mit regionaler Konzentration.  Sehr engagiert widmete sich Schelleis dem Thema „bewaffnete Drohnen“. Derartige Systeme seien keine eigenmächtigen, unkontrollierbaren Kampfmaschinen, sondern werden immer von einem „man in the loop“ vom Boden aus eingesetzt und kontrolliert. Deshalb ist die treffendere Bezeichnung auch „Ferngelenkte Luftfahrzeuge“. Mit dem Einsatz solcher Systeme wird eigenes Personal geschützt und die Beschaffungskosten können wegen des Verzichts auf lebenserhaltende Systeme, wie sie in bemannten Kampfflugzeugen erforderlich sind, deutlich reduziert werden. Weiter Vorteile sind eine längere Stehzeit  im Zielgebiet, größere Raumabdeckung, reduzierte Entdeckbarkeit, durchgängige, verzugslose Verfügbarkeit zum Schutz eigener Kräfte, ein minimierter Koordinationsaufwand und eine verbesserte Reaktionszeit. Die Position von General Schelleis in der in Politik und Gesellschaft emotional und kontrovers geführten Diskussion lautet: „Ferngelenkte Luftfahrzeuge sind  k e i  n e  neue Waffenqualität, ihr Einsatz steht im Einklang mit dem Völkerrecht! Sie führen zu weniger zivilen Opfern und senken die Tötungshemmschwelle nicht!  Der Mensch handelt und verantwortet ihren Einsatz! Sie werden heute schon gebraucht!“

Eine lebhafte Aussprache    Foto: Kalle Berg

In einer regen und von Offenheit geprägten Aussprache ging es natürlich um „Drohnen“, aber auch Fragen zur nuklearen Teilhabe, zur Flugkörperabwehr, zum Türkeieinsatz PATRIOT, zur TSK-Identität in gemischten Stäben und Ämtern, zum Ansehen Deutschlands im Bündnis und zur Führungskoordination von Auslandseinsätzen wurden beantwortet und diskutiert. Fazit: Ein souveräner, überzeugender Referent, ein anschaulicher, reichhaltiger Vortrag, eine lebhafte Diskussion, engagierte Zuhörerinnen und Zuhörer – well done, Sir!

Servatius Maeßen, SL Bonn  


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