Vortragsabend

mit anschließender Aussprache

zum Thema

Der Mensch im Mittelpunkt - Norm oder Lippenbekenntnis?
- Soldatsein im Wandel -

Referent:

Hellmut Königshaus

Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestages

am Dienstag, 22. Januar 2013, 19.00 Uhr

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Sektionseigener Bericht

Rekordbeteiligung mit dem Wehrbeauftragten

So viel Zulauf wie nie in den vergangenen Jahren hatte die Sektion Bonn beim Vortrag des Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestags, Herrn Hellmut Königshaus. An die 150 Personen füllten den ehemaligen Plenarsaal des Bundesrats, um zum Thema Der Mensch im Mittelpunkt – Norm oder Lippenbekenntnis? Informationen und Wertungen aus erster Hand zu erhalten.

Der Wehrbeauftragte beim Vortrag

Nach einem kurzen historischen Abriss über den Stellenwert des Menschen in deutschen Streitkräften verschiedener Epochen legte der Wehrbeauftragte den Schwerpunkt seiner Betrachtungen auf den Wandel heute, der gekennzeichnet ist durch zwei Begriffe: Armee für den Einsatz und Neuausrichtung der Bundeswehr. Ein wesentliches Ereignis war die Aussetzung der Wehrpflicht. Dazu gäbe es nachvollziehbar kontroverse Meinungen, aber maßgeblich dafür seien drei gravierende Gründe: die drastisch abnehmende Wehrgerechtigkeit, die demografische Entwicklung  und aus Verfassungssicht die schwindende Bedeutung der unmittelbaren Landesverteidigung. Der Wehrbeauftragte ließ keinen Zweifel daran, dass der parlamentarische Auftrag für sein Amt auch nach Aussetzung der Wehrpflicht unverändert Bestand habe.

„Das Leitbild des Staatsbürgers in Uniform und die Prinzipien der Inneren Führung galten früher auch für Berufs-  und Zeitsoldaten und sind auch künftig für alle Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr ohne Abstriche gültig und schützenswert,“ so Hellmut Königshaus.

... und in der Diskussion

Die Ziele der Neuausrichtung –Breite vor Tiefe, Reduzierung der Truppe bei gleichzeitiger Qualitätssteigerung, Verbesserung der Durchhaltefähigkeit oder auch zivil/militärisch gemischte Ämter und Dienststellen- seien nicht nur anspruchsvoll und fordernd, sondern mitunter auch konkurrierend.

Diese ambitionierten Ziele dürften nicht auf dem Rücken der Soldaten verfolgt werden. Das stände im Widerspruch zur verantwortlichen Fürsorge und sozialen Verantwortung des Dienstgebers. Und auch aus Gründen der Attraktivität des Soldatseins vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung müsse die Verwirklichung sozialer Belange von der angemessenen Unterbringung bis zur Vereinbarkeit von Partnerschaft und Beruf in dominanter Weise berücksichtigt werden. Sachverhalte wie Versetzungshäufigkeit, zeitliche Belastungen und Pendlerfürsorge müssten hinterfragt werden. Das Standortkonzept, so die Auffassung des Wehrbeauftragten, trage den menschlichen Belangen und Bedürfnissen zu wenig Rechnung.

... im gefüllten Plenarsaal

Zur Attraktivität gehöre auch, den Soldatinnen und Soldaten im Einsatz nicht nur die erforderliche Ausrüstung und Bewaffnung bereit zu stellen, sondern zudem eine wirkungsvolle und rasche Versorgung auch nach Rückkehr sicher zu stellen. Das gelte in materieller Hinsicht wie in puncto ärztlicher Hilfe und psychologischer Betreuung.

Sowohl in seinem Vortrag wie auch in der Diskussion erlebte das Publikum einen Wehrbeauftragten, der nicht nur engagiert und mit Leidenschaft sich für die Soldatinnen und Soldaten einsetzte, sondern auch mit strategischem Weitblick konzeptionelle Forderungen artikulierte -  ein gelungener Auftritt, der mit viel ermunterndem Beifall honoriert wurde.

Text:   Servatius Maeßen

Fotos: Nina Kaiser


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