Vortragsabend

zum Thema
Die Bundeswehr im Einsatz -

und die Seele ist dabei
 
- Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS)
    - das Phänomen, die Symptome, die Therapie

Referent: 

Foto: ptbs-hilfe.de

Brigadegeneral Christof Munzlinger

PTBS-Beauftragter, BMVg

 

am Donnerstag, 20. September 2012

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Sektionseigener Bericht

Die Seele verwundet

Der PTBS-Beauftragte BG Munzlinger

Auslandseinsätze der Bundeswehr sind seit fast zwei Jahrzehnten zunehmend Alltag.

Was als Friedensmissionen, Stabilisierungsoperationen und Wiederaufbauhilfe begann, hat sich vor allem in Afghanistan als ein Einsatz mit hohem Risiko für Leib und Leben der Soldatinnen und Soldaten entwickelt. Lange hat man das Wort „Krieg“ in der politischen und öffentlichen Diskussion vermieden. Frauen und Männer wurden im Einsatz verletzt oder kamen zu Tode. „Verwundet“ oder gar „gefallen“, das waren Unwörter, die nicht zur heilen Welt zuhause passten, die politisch nicht korrekt, besser, nicht opportun waren.

Unter diesen Umständen hat es lange, zu lange gedauert, bis ein Phänomen des Einsatzes, die post-traumatischen Belastungsstörungen (PTBS) , von Amts wegen registriert, als mögliche Konsequenz des Einsatzes akzeptiert  und Maßnahmen zur Vorbeugung und Behandlung initiiert wurden.

Für diesen Bewusstseinswandel steht symbolhaft eine Person und eine Funktion:

Brigadegeneral Christof Munzlinger in seiner Eigenschaft als PTBS-Beauftragter des BMVg.

In einem packenden Vortrag referierte er zum Thema "Die Bundeswehr im Einsatz – und die Seele ist dabei.“

Ein fesselndes Thema - ein engagierter Referent

Seit November 2010 ist er der PTBS-Beauftragte des BMVg. Mit einem kleinen, engagierten Team widmete man sich zunächst der Lagefeststellung im In- und Ausland.

Auch bei den Bündnispartnern sei man auf der Suche nach dem besten Weg, wegen unterschiedlicher Sozial- und Versorgungssysteme seien aber Lösungsansätze nicht unmittelbar übertragbar, so Munzlinger.

Wichtig sei eine nachvollziehbare Definition des Krankheitsbildes „PTBS“ gewesen, was bei begrenzten externen Diagnosemöglichkeiten für Seele und Psyche sehr kompliziert sei. Weit mehr als bei körperlichen Verwundungen sei man bei Traumatisierten auf die Fähigkeit und Bereitschaft des Patienten angewiesen, sich zu öffnen und mitzuteilen.

Ein großes Problem sei die Dauer von Begutachtungen, Diagnosen und Einzelfallentscheidungen bis zur versorgungsrechtlichen Anerkennung.

Gründe hierfür sind unzureichende Kapazitäten bei Sanitäts- und Verwaltungsstellen und komplizierte Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten, nicht nur innerhalb der Bundeswehr, sondern auch die regionale und lokale Zuständigkeit von Sozial- und Versorgungsämtern gerade für ehemalige Soldaten.

Das grundsätzliche und einzelfallbezogene „PTBS-Management“.  die Analyse von Entscheidungs- und Verantwortungsdefiziten und die Vorlage von Verbesserungsmaßnahmen nannte Munzlinger als Hauptaufgaben seines effizienten Teams.

Er wies auf viele Verbesserungen der letzten Zeit hin, die durch den Gesetzgeber veranlasst wurden: Soldatenversorgungsgesetz, Einsatzweiterverwendungsgesetz:, Einsatzversorgungsverbesserungsgesetz.

„PTBS ist heilbar, wenn auch in einem mitunter langwierigen Prozess; die Therapieansätze sind vielfältig. Wichtig ist, dass die Soldatinnen und Soldaten auf die Fürsorgeverpflichtung von Parlament, Leitung und Führung vertrauen können,“ so der PTBS-Beauftragte.

Angeregte Diskussion

In einer lebhaften Diskussionsrunde stand Brigadegeneral Munzlinger engagiert und kompetent Rede und Antwort.

Der Sektionsleiter bedankte sich im Namen der Zuhörer für einen bemerkenswerten Vortrag, bei dem der Referent durch Eloquenz, Empathie und beispielhafte Identifikation mit seiner Aufgabe beeindruckte.

Text:   Servatius Maeßen, SL Bonn

Fotos: Christian Spech


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