Vortragsabend

mit anschließender Aussprache

zum Thema

Das Logistikzentrum der Bundeswehr -
Aufgaben und besondere Herausforderungen

Referent:

Foto: Bundeswehr

Brigadegeneral Dipl. - Kaufm. Michael Vetter

Kommandeur Logistikzentrum der Bundeswehr

am Mittwoch, 20. Februar 2013, 19.00 Uhr

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Pressebericht


5/2013 - 4. März 2013   16. Jahrgang

Frühjahrsputz in Afghanistan

Wie die Rückführung des gesamten Materials der Bundeswehr aus Afghanistan bis Ende 2014 realisiert werden soll, beschrieb der Kommandeur des Logistikzentrums der Bundeswehr, Brigadegeneral Michael Vetter, bei einer Abendveranstaltung der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik (GfW). Die Bundeswehr habe dafür drei verschiedene Transportmittel gewählt.

Foto: Bundeswehr

Das transitfähige Material, das etwa zehn Prozent der in Afghanistan vorhandenen Gesamtgüter ausmache, werde über die Schiene transportiert. „Egal wie lange es dauert“, so Vetter. Für den Transport der Masse des Materials sei diese Option nicht nur wegen der zu erwartenden Verzögerungen, sondern auch wegen der durch Russland gestellten Bedingungen keine Alternative gewesen. Denn Russland habe darauf bestanden, dass vor Ort keine NATO-Soldaten sondern nur die eigenen Sicherheitskräfte geduldet würden.

Das sensible Material – also alles was mit Kryptographie zu tun habe sowie Munition – solle über den direkten Lufttransport nach Deutschland gelangen. „Munition ist deshalb sensibel, weil das Verschwinden in Drittstaaten sich kaum nachweisen lässt.“ Dieser Block entspräche dennoch laut Vetter nur etwa fünf Prozent des Gesamtmaterialumfangs. Für die verbliebenen 85 Prozent sei eine Kombination aus kurzem Luftweg (rund 3.000 km) mit anschließendem Weitertransport über See (rund 8.000 km) geplant. Der Umschlagplatz für den Wechsel vom Luft- zum Seetransport wird laut Vetter der Ort Trabzon in der Türkei. „Trabzon verfügt über einen kleinen aber sehr leistungsfähigen Flughafen.“ Dieser sei über eine sehr gut ausgebaute Straße mit dem nur sieben Kilometer entfernten Hafen verbunden. Trabzon besäße somit alle wünschenswerten Eigenschaften, zudem handele es sich bei der Türkei um ein NATO-Mitglied, das auch an ISAF beteiligt sei.

Das Nadelöhr für die Rückverlegung aus dem Norden Afghanistans sei allerdings nicht der Umschlagplatz in Trabzon, sondern der Flughafen von Mazar-e-Sharif. „Wir planen beim Flughafen Mazar-e-Sharif mit 14 bis 16 Slots pro Woche“, beschrieb Vetter die Einschränkung. Diese geringe Zahl an Slots ergebe sich nicht nur aus der Leistungsfähigkeit des Flughafens, auch die Weiterführung des laufenden Flugbetriebs sowie die möglichen Wetterbedingungen wirkten sich negativ aus. „Wir planen einen Rahmenvertrag für den Kurzstreckentransport in die Türkei“, so Vetter. „Denn bei dem in Afghanistan vorhandenen Material handelt es sich nicht nur um Großgerät. Und für Paletten braucht man keine Antonov.“

Zudem habe bereits eine Auswahl stattgefunden, was überhaupt wieder nach Deutschland transportiert werden solle. „Wir führen nur zurück, was in Deutschland auch weiterverwendet wird“, betonte Vetter. So seien zwar in Afghanistan aktuell rund 1.700 Fahrzeuge vorhanden, aber nur für 1.200 sei der Transport in die Heimat geplant. „Den ungeschützten Wolf werden wir zum Beispiel nicht rückführen, weil davon hier noch 8.000 Stück rumstehen. Dieser Vorrat reicht vollkommen.“ Die ungeschützten Wolf würden also – wie viele andere Fahrzeuge auch – in Afghanistan verschrottet. Die Übergabe an die afghanische Armee (ANA) böte sich in den meisten Fällen nicht an, weil die ANA einerseits über einen für ihre Bedürfnisse guten Fuhrpark verfüge und andererseits auch die Ersatzteilbeschaffung für deutsches Gerät nicht immer einfach sei. „Zu glauben, dass wir das nicht benötigte Material den Afghanen schenken und die können es dann schon brauchen, wird nicht funktionieren“, betonte Vetter. „Man muss einfach sehen, dass in Afghanistan Toyota die führende Marke ist, für die es auch überall Ersatzteile gibt. Ersatzteile für Mercedes- Fahrzeuge werden sie hingegen lange suchen.“ Dementsprechend werde der Großteil der nicht rückzuführenden Fahrzeuge verschrottet. Diesen Schrott wolle die Bundeswehr dann aber an afghanische Metallhändler verkaufen.
Allerdings gebe es noch die Ungewissheit eines möglichen Nachfolgemandats. „Solange wir nicht wissen, wie das Nachfolgemandat aussehen soll“, sagte Vetter abschließend, „gehen wir vom Auftrag der Rückführung des Gesamtmaterials von Afghanistan nach Deutschland bis Ende 2014 aus.“ (Dorothee Frank)


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