Vortragsabend

zum Thema

"Das freundliche Desinteresse"

an Sicherheitspolitik -

Analyse, Folgen, Lösungen

Referent:

Rolf Clement

Deutschlandfunk

 

am Montag, 17. Juni 2013

*****

Eigenbericht

Dicke Bretter bohren

Die Versuche, in der Öffentlichkeit Interesse an sicherheitspolitischen  Sachverhalten zu wecken und sicherheitspolitische Informationen zu vermitteln, sind vielfältig. Die Erfolge allerdings sind durchwachsen, die Ursachen hierfür vielschichtig. Diesem Sachverhalt sollte auf den Grund gegangen werden, und so wurde Rolf Clement, Korrespondent für Sicherheitspolitik beim Deutschlandfunk und darüber hinaus bekannt als freier Autor für Fernsehen und Fachzeitschriften, als Referent gewonnen. Sein Vortragsthema: Das „freundliche Desinteresse“ an Sicherheitspolitik – Analyse, Folgen, Lösungen.

Rolf Clement beim Vortrag...

„Good news“ zu Beginn: Initiiert durch das BMVg haben sich mit Unterstützung der Bundesakademie für Sicherheitspolitik zahlreiche Institutionen und Organisationen wie z.B. der Reservistenverband, die GfW, der DBwV, die Deutsche Atlantische Gesellschaft darauf verständigt, unter verstärkter Kooperation und in konzertierten Aktionen die sicherheitspolitische Informations- und Öffentlichkeitsarbeit zu verstärken. Dass es auf diesem Gebiet Defizite gäbe und bislang zu wenig indifferente und desinteressierte Zielgruppen erreicht würden, sei offensichtlich, so der Referent. Mit Schwerpunkt auf den Medien wolle er sich dem Thema nähern.

Mit der Veränderung der Bedrohungslage durch Auflösung des Warschauer Pakt Anfang der 90er Jahre seien sozialpolitische und wirtschaftliche Themen vor dem Hintergrund der zunehmenden Globalisierung in den Vordergrund getreten. Über die wenig  greifbare asymmetrische Bedrohung sei wenig bekannt und würde auch nicht ausreichend informiert. Dieses Phänomen ist auch im Handeln der Politiker aus zu machen und werde infolgedessen in der Medienlandschaft reflektiert. Mit dem Beispiel der EURO HAWK - Diskussion zeigte der Referent auf, wie oberflächlich und ausschließlich betroffenheitsbezogen mediale Berichterstattung sei. Sicherheitspolitische Sachverhalte seien in der Regel komplex und kompliziert, ihre Aufarbeitung in Minuteneinspielungen und Kurzberichten oft nicht machbar, und deshalb sei sie häufig unvollständig oder unterbliebe ganz.

Ein wesentlicher Mangel sei auch die zunehmende Quotenorientierung in der deutschen Fernsehlandschaft. Man konzentriere sich auf Themen, die der Zuschauer vermeintlich wolle und orientiere sich nicht am sachlich Gebotenen und Notwendigem. Rationalisierungs- und Wirtschaftlichkeitsüberlegungen führen zu einer Reduzierung der Beitrags- und Inhaltsvielfalt, e i n e n Beitrag oft verkaufen sei das Motto. Dass darunter Meinungsvielfalt und Qualität litten, liege auf der Hand.

...in der Diskussion

Damit einher gehe die zunehmende Aufgabenerweiterung und die kürzer werdenden Stehzeiten für Journalisten. Die Folge: Breite statt Tiefe in der Themenabdeckung, weniger Zeit für Recherche und Quellenauswahl und  -analyse, oberflächliche Kontaktpflege.

„Sicherheitspolitische Berichterstattung ist immer das Informieren über Krisen und Skandale, ist vorrangig negativ belegt, und die Bereitschaft der Gesellschaft,  „bad news“ zur Kenntnis zu nehmen, ist wenig ausgeprägt“, so Clement.

Aber auch das Informationsverhalten der mit der erweiterten Sicherheit befassten Ressorts der Bundesregierung sei verbesserungswürdig. Weniger Defensive und mehr Transparenz und auch mehr Vertrauen in die Berichterstatter seien nicht nur wünschenswert, sondern auch notwendig.

Und auch der „Konsument“ ist bei der sicherheitspolitischen Informationsarbeit zu beachten.

Unterschiedlichen Zielgruppen muss mit auf sie zugeschnittenen Methoden, unter Nutzung des jeweils angemessenen Mediums begegnet werden. Dazu gehören Mut, Kreativität und Geduld. Hier sieht der Referent Wachstumspotenzial. „Ohne Frage ist die sicherheitspolitische Informationsarbeit sinnvoll und notwendig. Erfolge zu erzielen heißt, „dicke Bretter zu bohren“, aber es lohnt sich!“ so der Appell von Rolf Clement.

"Journalisten lesen nur, was sie selbst geschrieben

  haben...", daher zum Dank Wein statt Buch

Eine intensive Diskussion behandelte eine Vielfalt an Themen: Informationsverhalten der militärischen Führung, Haltung der Politiker zu sicherheitspolitischen Themen, Zugang der Bundeswehr zu Schulen und anderen Bildungseinrichtungen, aber auch Fragen zu Syrien, Afghanistan und zur Neuausrichtung der Bundeswehr. Der Sektionsleiter dankte dem Referenten für einen offenen, konstruktiv kritischen, von großer Erfahrung geprägten und mit viel Hintergrundwissen angereicherten Vortrag und die offene, aufschlussreiche Diskussion. Der große Applaus war verdient, Herr Clement!

Text:     Servatius Maeßen

Fotos:  Kalle Berg


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