„Die Terroristen von nebenan“

Vor großer Kulisse eröffnete der bekannte Journalist Rolf Clement, Mitglied der Chefredaktion des Deutschlandfunks und Sonderkorrespondent Sicherheitspolitik den Vortragsreigen 2011 der Sektion Bonn.

Der internationale Terrorismus – d i e  Herausforderung für die nationale und internationale Sicherheitsvorsorge lautete sein Thema.

Rolf Clement in Aktion

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Als Einstieg nahm er Bezug auf eine Schlagzeile des General-Anzeiger Bonn vom 15./16. Januar 2011: Geheimpapier : Bonn ist Hochburg der Islamisten.

Sehr authentisch und anschaulich zeichnete er den Weg von unauffälligen Bonner Schulabsolventen in die terroristischen Ausbildungslager in Pakistan nach.

„Die unauffällige, oft von Elternhaus und Schule unbemerkte Radikalisierung des Normalbürgers, die sich am Rande der Legalität vollzieht, ist der islamistische Rekrutierungsansatz“, so Clement.

Tiefe Einblicke in die Strafprozesse der „Kofferbomber“ und „Sauerlandgruppe“ waren Anstoß zu einem Buch mit dem Titel „Die Terroristen von nebenan“, das Clement gemeinsam mit Paul Elmar Jöries vom WDR verfasst hat (Piper-Verlag).

Dieser Titel beschreibt punktgenau das Gefahrenpotenzial, das in der Bundesrepublik Deutschland lauert. Die sogenannten „Schläfer“ im Lande sind gemeinsam mit temporär eingereisten Angehörigen des Terrornetzwerks jederzeit bereit und in der Lage, in Aktion zu treten.

Dass Deutschland bisher von Anschlägen größerer Dimension verschont blieb, sei auch ein Verdienst deutscher Sicherheitsbehörden, die einen guten Job machten, stellte Clement anerkennend fest. Trotzdem, so mahnte er an, bedürfe es weiterer Anstrengungen, die überholte Trennung von innerer und äußerer Sicherheit aufzugeben und die gesetzlichen Grundlagen zu schaffen, mit denen die Nutzung von Synergien möglich gemacht würde.

Die wirksamste Abwehr des Terrorismus sei die Beseitigung seiner Ursachen – so weit die Theorie. Das sei unter Umständen punktuell und regional begrenzt möglich, sei aber kein Rezept gegen den global agierenden, von einer Vielzahl unterschiedlichster Interessen geleiteten Terrorismus.

Der solidarisch geführte bewaffnete Kampf gegen die Terroristen zeige durchaus Erfolge, wenn wie im Grenzgebiet Afghanistan/Pakistan die Führungsorganisationen von Al Kaida ausgeschaltet oder zumindest geschwächt würden.

Im Rahmen der gemeinsamen Sicherheitsinteressen sei es richtig und wichtig, dass Deutschland sich in die Terrorbekämpfung aktiv einbringe. Die Möglichkeiten einer Truppenreduzierung sei lageabhängig zu bewerten, konkrete Abzugstermine in Unkenntnis der Lageentwicklung zu definieren, sei schädlich.

Im übrigen sei es sinnvoll, besondere Fähigkeiten der Bundeswehr auch im Inland zur Risikoabwehr und Schadensminimierung zu nutzen (z.B. ABC-Abwehr) statt solche Fähigkeiten kostenaufwändig und regional/föderal zu duplizieren.

Große Kulisse für einen glänzenden Vortrag

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Zum Abschluss formulierte Rolf Clement einige Gedanken zu Reform der Bundeswehr. Dass die Aussetzung der Wehrpflicht von einer konservativ geprägten Bundesregierung derart geräuschlos vollzogen wurde, habe ihn überrascht und betroffen gemacht.

Eine Reform der Bundeswehr in dieser Größenordnung könne nur mit einer angemessenen Anschubfinanzierung gelingen. Da sie aber unter einem Spardiktat zu vollziehen sei, stelle das den Erfolg unter Risiko.

Servatius Maeßen

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