Vortragsabend

zum Thema

13 Monate im HQ ISAF Kabul -

Lage, Erfahrungen und Perspektiven

Referent: 

Generalmajor Dipl.-Ing. Klaus Habersetzer

StvBefh und ChefStab Kommando Operative Führung Eingreifkräfte

 

am Mittwoch, 10. April 2013

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Eigenbericht

Afghanistan – ein Erfahrungsbericht

General Habersetzer ...

Von „freundlichem Desinteresse“ keine Spur, zu einem weiteren Vortrag mit dem Thema „Afghanistan“ füllten fast 100 Zuhörerinnen und Zuhörer den Pressesaal des Bundespresseamts in Bonn. Sie waren gespannt auf Informationen aus erster Hand, denn der Referent des Abends war Generalmajor Dipl.-Ing. Klaus Habersetzer, der im Herbst 2012 von einen mehr als einjährigen Einsatz als Deputy DCOS Stability and Director Civil Military Synchronisation im HQ ISAF in Kabul zurück kehrte. Sein Thema lautete „13 Monate im HQ Isaf in Kabul – Lage, Erfahrungen und Perspektiven“.

... in Aktion

In einem geschichtlichen Rückblick auf das wechselvolle Schicksal Afghanistans zeigte er bemerkenswerte Parallelen zur Lage heute auf. Unabhängig davon, wer versuchte, das Land zu beherrschen, ob Engländer oder Sowjets, die strategischen Schlüssellinien und  –orte haben sich bis heute nicht verändert. Eine aus unserer Sicht archaische Infrastruktur und die Geographie des Landes sind sind wesentliche Ursache dafür. Die Durand-Linie, mit der die Engländer vor über 100 Jahren ihr Interessengebiet des heutigen Pakistan gegen das Emirat Afghanistan abgrenzten, wurde ohne Rücksicht auf ethnische und religiöse Gegebenheiten gezogen. Sie wird bis heute von der Bevölkerung als künstliche Trennlinie zwischen Pakistan und Afghanistan betrachtet und vielerorts missachtet. Daraus folge, so der General, dass eine politische Lösung in dieser Region nur unter der Einbeziehung Pakistans realistisch sei.

Zu beachten sei auch, dass über Jahrhunderte  die politische und religiöse Autorität erfolgreich in einer Hand gelegen habe. Bei der vom Islam geprägten afghanischen Bevölkerung stoßen Verfassungskonstruktionen nach westlichem Muster auf Unverständnis und Widerstand. „Wenn es nicht gelingt, das afghanische Volk bei der Befriedung mit zu nehmen, auf ethnische und religiöse Realitäten sowie traditionelle Werte zu achten, gebe es keine Lösung.

Erst mit Verspätung habe man bei der ISAF-Mission erkannt, dass die Konzentration auf Kabul nicht zielführend sei. Flächendeckende Präsenz und landesweite Vertrauensbildung seien Voraussetzung für einen Erfolg der Mission.

Viele Fragen - offene Antworten

Inzwischen sind die Schwerpunkte die Aufstandsbekämpfung unter Mitnahme von möglichst großen Teilen der Bevölkerung, die Ausbildung nationaler Sicherheitsorgane und die schrittweise Übergabe der Verantwortung an diese.

Über allem stehen zwei Kriterien:

Die Verbesserung der Lebensumstände für Frauen und Männer, die Verbindung von Tradition und Moderne, die glaubwürdige Aufzeichnung von Perspektiven für die überwiegend junge Bevölkerung sind das Eine.

Zum Anderen muss allen Akteuren heute und in Zukunft klar sein, dass dieser Prozess Zeit braucht, viel Zeit und Geduld und Fingerspitzengefühl und Stehvermögen. „Ihr habt die Uhren, wir haben die Zeit!“, diese tiefsinnige Feststellung habe er oft von seinen afghanischen Gesprächspartnern gehört, so Habersetzer.

Man könne das Land nicht abrupt allein lassen. Und so sei die NATO-Mission RESOLUTE SUPPORT ab 2014 ein notwendiger und richtiger Schritt. Wie viele Nationen sich in welchen Kontingenten daran beteiligen (die ISAF-Operation wurde phasenweise von bis zu 50 Nationen aktiv unterstützt) werde zur Zeit verhandelt.

Wichtig sei in diesem Zusammenhang, die völkerrechtlichen Voraussetzungen durch Stationierungsabkommen und Vereinbarungen zur Rechtssicherheit auf strategischer Ebene zu schaffen.

Zufriedene Gesichter

Generalmajor Habersetzer stellte abschließend fest, dass nach einer schmerzhaften Lernphase inzwischen deutliche Fortschritte erkennbar sind. Diese gelte es zu sichern und zu vergrößern. Dazu brauche es einen langen Atem. „Ihr habt die Uhren, wir haben die Zeit…..!“

Nach der Diskussion waren der Applaus des Plenums und ein Buchgeschenk der Dank für einen interessanten  Abend mit einer Fülle von Erkenntnissen, persönlichen Erlebnissen und glaubwürdigen Erfahrungen, den der Stellvertreter des Befehlshabers und Chef des Stabes Kommando Operative Führung Eingreifkräfte engagiert, kompetent und mit viel Empathie geboten hatte.

 

Text:   Servatius Maeßen

Fotos: Kalle Berg

 


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